Wir entdecken die Metropole mit Molly Melone und James Joyce
Am nächsten Tag erwartete uns ein schönes Frühstücksbuffet, das in Irland ja sehr reichhaltig ist und dann ging es noch einmal hinein in die Metropole. Der Weg führte uns natürlich erst einmal zum Wahrzeichen der Stadt in der O’Connell Street. „The Spire“ übersetzt Spitze. Eigentlich heißt es Monument of Light, Denkmal des Lichts und ragt ganze 121,2 Meter in den Himmel. Sie steht seit 2003 genau dort, wo am 8. März 1966 von abtrünnigen IRA-Mitgliedern die Nelson- Säule gesprengt wurde und Guido erklärte uns deren Beweggründe. Eigentlich hätte der 126 Tonnen schwere Stahlkoloss zur Jahrtausendwende fertiggestellt werden sollen, aber es dauerte 3 Jahre länger. Das Licht an der Spitze kann bis zur Dublin Bay wahrgenommen werden. Viel wichtiger ist es ja immer, welche Spitznamen die Bevölkerung auswählt und so erfuhren wir, dass es sich hier auch um den „Stiletto in the Ghetto“ oder auch „Stiffy by the Liffey“ handelt. Es handelt sich bei dem 4 Millionen Euro Bauwerk um einen Treffpunkt der Jugend und überhaupt merkten wir, dass es viele junge Leute in Dublin gibt. Eines der berühmtesten Bücher über Dublin ist Ulysses von James Joyce. Es gilt nicht nur als sein bedeutendster Roman, sondern überhaupt als richtungsweisend für den modernen Roman und so hörten wir den Namen öfters auf unserer Reise. Joyce beschreibt in 18 Episoden einen einzigen Tag im Leben des Leopold Bloom, seines Zeichens Anzeigenaquisiteur bei einer Dubliner Tageszeitung. Erstmals wurde der Monolog, der sogenannte Bewusstseinsstrom zentrales Element eines Romans. Wir besuchten ein Monument des Dichters, das am Bloomsday 1990 errichtet wurde. Allein, dass ein Tag nach dem Protagonisten gefeiert wird, zeigt wie wichtig James Joyce für Irland ist. Ein weiterer wichtiger Stopp war das Hauptpostamt Dublins ebenfalls in der O’Connell Street. Natürlich war es nicht das 1818 fertiggestellte neoklassizistische Gebäude, das interessant war, sondern als Schauplatz des sogenannten Osteraufstands 1916. Damals hatten einige hundert Freiheitskämpfer die englische Besatzungsmacht herausgefordert. Obwohl der Aufstand – mit Patrick Pearse als Anführer – der Rebellen niedergebombt wurde, sehen Historiker in ihm den bedeutendsten Schritt Irlands auf dem Weg in die Unabhängigkeit. Natürlich erfuhren wir an der Daniel O’Connell Statue dann auch einiges über diesen wichtigen Politiker, der den Beinamen „The Liberator, also Befreier, trug und sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts für die Gleichberechtigung der Katholiken und die Aufhebung der Union zwischen Irland und Großbritannien einsetzte. Sie steht an der ebenfalls nach ihm benannten Brücke, aus Portland-Sandstein und bei einem Exkurs über Brücken, erklärte uns Guido, dass die Half-Penny-Bridge so heißt, weil man diesen Betrag damals als Wegzoll zahlen musste. Dann konnten wir auch endlich das erste Gruppenfoto machen, noch in Jacken, für das natürlich die Statue von Molly Malone an der Ecke Grafton Street mit kräftig polierten Brüsten, idealer Hintergrund war. Guido erzähle uns die ganze Geschichte dieser Fischverkäuferin auf dem Markt. Weltberühmt wurde Molly Malone durch das irische Volkslied „Cookies and Mussels“, das als inoffizielle Hymne Dublins gilt und ein sehr trauriges Ende hat. Erwin konnte das Lied mit Guido perfekt intonieren und wir sollten es noch einige Male singen. Jetzt ging es aber zunächst noch einmal auf die Spuren von James Joyce, an dem man in Dublin ja einfach nicht vorbeikommt. Einen ausgiebigen Stopp machten wir in Sweny’s Apotheke. Hier ist alles seit dem viktorianischen Zeitalter stehengeblieben und schon die schwarz-weiße Hausfassade sticht hervor. Der Pharmacist P.J. Murphy im weißen Kittel und Fliege empfing uns überaus charmant und freundlich. Ob wir wirklich die ersten Besucher an diesem Tag waren, wissen wir nicht, auf jeden Fall wurden wir wie diese behandelt. Er erzählte uns, dass Leopold Bloom damals Zitronenseife kaufte, die auch heute noch genauso hergestellt wird. Er hatte jede Menge Geschichten parat, die Guido übersetzte und noch heute werden von der literarischen Gesellschaft Lesungen von „Ulysses“ in allen Sprachen gehalten. Er griff zur Gitarre und sang uns ein Lied, während wir uns in der Mischung aus historischer Apotheke und Antiquariat umsehen konnten. Auch Oscar Wilde, ein weiterer berühmter Schriftsteller Irlands soll für seinen Vater, einen Augenarzt, in der Apotheke am Lincoln Square, die nur einen Steinwurf von seinem Geburtshaus liegt, Rezepte abgeholt haben. Im Anschluß besuchten wir sein bekanntes Memorial in einem kleinen Park, dem Merrion Square. Hier lümmelt sich der Dichter in der Kleidung eines Dandies, dessen bekanntestes Werk „Das Bildnis des Dorian Gray“ zumindest jeder vom Namen her kennt, auf einem Felsen. Guido erzählte uns einiges aus dem Leben des Autors, der homosexuell war. Sein Zitat, „Ich kann allem widerstehen, nur nicht der Versuchung“, sagt viel über ihn aus. Noch mehr, dass es 100 Jahre nach seinem Tod erst eine solche Statue gab, denn das streng katholische Irland ist eher konservativ, wenn es um die sexuelle Ausrichtung geht. Deshalb war er auch zunächst mit der Dichterin Constance Lloyd verheiratet, mit der er zwei Söhne hat. Ihre Statue, als schwangere Frau dargestellt, befindet sich ebenfalls in dem Park, sowie eine von dem griechischen Gott des Dramas Dionysus. Bei dieser Reise standen mehr Land und Leute auf dem Programm als Kirchen, doch die St. Patrick`s Cathedral ist natürlich ein absolutes Muss. Wir hatten ausreichend Zeit und Guido erklärte uns viel über den Bau, der auf das Jahr 1220 zurückgeht. Der bei weitem bekannteste Dekan der Kathedrale war Jonathan Swift, der von der Kanzel aus gegen soziale Ungerechtigkeit predigte. Sein Buch „Gullivers Reisen“ wurde weltbekannt. Wir machten noch Fotos im Garten, wo die Vegetation allerdings natürlich noch nicht so weit war wie bei uns und probierten eine Spezialität Irlands – Irish Toffee. Nun hieß es Abschied von Dublin nehmen und der Weg führte uns nach Ballinasloe. Auf dem Weg erfuhren wir natürlich viel über die Sprache beispielsweise, denn auf allen Schildern steht auch alles auf Gälisch. Unser Hotel, das Shearwater Hotel, war ein SPA- und Wellnesshotel, in dem wir auch eine Braut beklatschen konnten. Nun war es noch Zeit den schönen kleinen Hafen am Shannon zu besuchen und auch die Kirche war sehr interessant. Eine große Attraktion, auf die Guido immer wieder aufmerksam machte, war allerdings der Lidl gegenüber des Hotels. Er machte das so leidenschaftlich, dass dies ein running Gag wurde und wir danach auf jeden Lidl, oder die „Deutsche Botschaft Aldi“ hinwiesen. Zum Abendessen im schönen Speisesaal, gab es Lamm oder glasierten Schweinebraten. Die mashed Potatoes – also Kartoffelbrei – waren mit Sicherheit die beliebteste Beilage der britischen Inseln und verfolgte uns, aber das Essen war überall sehr gut und der Service hervorragend. Auch eine wunderschöne Bar hatte das Hotel, die wir gerne besuchten und unsere Kenntnisse über Ale und Whiskey vertieften.