Spruch des Tages:
„El cameron no es carne, ni las suegras son familia“
Genauso wenig wie die Garnele aus richtigem Fleisch ist, gehört die Schwiegermutter zur Familie.
Am Morgen stand unser Rundgang durch dieses sehr sehenswerte Hafenstädtchen auf dem Programm. Entlang der 8 Meter hohen und 3 Meter dicken Stadtmauer und den „Balaurtes“ (Bastionen) war kurioserweise der eine oder andere Pirat anzutreffen. Zur Zeit des Gold- & Silberhandels verließen die spanischen Schiffe schwer beladen den Hafen von Campeche und wurden nicht selten von den blutrünstigsten Piraten des 17.Jh. überfallen und ausgeraubt. Henry Morgan & Co. waren sich darüber hinaus nicht zu schade die ganze Stadt anzugreifen und einfach niederzubrennen. Gott sei Dank sind die heutigen Piraten lediglich zur Unterhaltung der Touristen da und daher ungefährlich. Sogar in die Polizeistation hatte sich ein wahres Prachtexemplar eingeschlichen.
Leider waren bereits viele Sehenswürdigkeiten und Museen der Stadt wegen Corona geschlossen.
Die Hazienda „Mucuyche“ war unser nächstes Ziel. Während der Fahrt konnten wir sehen wie flach die Halbinsel Yucatan, mit nur wenigen Metern Höhe über null, ist. Die Vegetation besteht hauptsächlich aus Buschwerk und Agavenplantagen. Der Untergrund besteht aus Kalkgestein und wie bei diesem Gestein üblich, findet man im Untergrund reichlich Wasser in ausgespülten Höhlen und Grotten, den sogenannten „Cenotes“.
Als wir auf der Hazienda ankamen wurde uns bewusst, dass ab jetzt unser Programm coronabedingt nicht mehr wie geplant weitergehen wird. Die Hazienda sollte in dem Moment, an dem wir ankamen, geschlossen werden. „Vladi“ musste all seine Überredungskünste einsetzen, damit wir diesen Programmpunkt noch erleben konnten. Diese Leistung kann man ihm nicht hoch genug anrechnen, da die Hazienda zusammen mit den „Cenotes“ einer der Höhepunkte der Reise werden sollte.
Im Gegensatz zu einer Finca, einem Grundstück mit Gebäude auf dem Land, ist eine Hazienda eine effiziente Form einer landwirtschaftlichen Produktionsstätte mit Werkstatt. Meist wohnten die Besitzer nicht selbst auf der Hazienda. Manche Haziendas bauten z.B. Baumwolle oder Zuckerrohr an. Andere züchteten Vieh. Die Hazienda „Mucuyche“ produzierte zur Zeit des Sisal-Booms, Ausgang des 19.Jahrhunderts, diesen begehrten Rohstoff aus den Fasern der Agave. Es war sehr interessant die einzelnen Produktionsschritte, bei denen schon Dampfmaschinen eingesetzt wurden, während eines Rundgangs durch die Hazienda kennenzulernen. Aus Sisal wurden damals vor allem Seile und Taue für die Schifffahrt hergestellt sowie die für Mexiko so typischen Hängematten.
Jetzt folgte ein unvergleichliches Erlebnis: Ein Bad in den beiden Cenotes, die auf dem Gelände der Hazienda zu finden sind.
Das Wort „Cenote“ leitet sich vom Mayawort Dzonot ab, welches Loch oder Abgrund bedeutet. Die Cenotes sind Süßwasserbrunnen und waren für die Maya der Quell des Lebens, da es auf Yucatan keine überirdischen Flüsse gibt. In ihrer Umgebung siedelten deshalb viele Menschen. Darüber hinaus betrachteten die Maya diese geheimnisvollen Süßwassergrotten als Zugang zur Unterwelt und zu den Göttern. Sie glaubten, dass dort auch der Regengott Chac wohne, dem sie besonders während Dürreperioden mit Opfergaben huldigten.
Jeder der sich diese Gelegenheit nicht entgehen ließ spürte sofort, dass das Bad in den beiden Cenotes ein magisches Erlebnis war. Die Cenote „Carlota“ ist halboffen und das Wasser schimmerte in göttlichem blau. Durch einen Kanal schwammen wir hinüber zur Cenote „Maya“, bei der es sich um eine vollkommen geschlossene Grotte handelte. Nur durch kleine Löcher in der Decke kam etwas Licht herein und zusammen mit dem wunderbar ausgeleuchteten Inneren der Höhle fühlte man sich der Welt entrückt. Diese Eindrucke und Momente werden uns für immer bleiben.
Nach dem Bad nahmen sich die Mitarbeiter des Restaurants noch etwas Zeit um uns zu bewirten, bevor die Hazienda von offizieller Seite für die kommenden Wochen und Monate geschlossen wurde.
Beim Hinausgehen spürte man in den Blicken der Angestellten die Ungewissheit darüber, wie es mit ihrer Arbeit, die ihre Lebensgrundlage bildet, weiter gehen wird.
Während der Fahrt nach Merida trug Vladimir ein wunderschönes Gedicht über das Reisen von Gabriel Garcia Marquez vor:
Viajar es marcharse de casa,
es dejar los amigos
es intentar volar
volar conociendo otras ramas
recorriendo caminos
es intentar cambiar.
Viajar es vestirse de loco
es decir “no me importa ”
es querer regresar.
Regresar valorando lo poco
saboreando una copa,
es desear empezar.
Viajar es sentirse poeta,
es escribir una carta,
es querer abrazar.
Abrazar al llegar a una puerta
añorando la calma
es dejarse besar.
Viajar es volverse mundano
es conocer otra gente
es volver a empezar.
Empezar extendiendo la mano,
aprendiendo del fuerte,
es sentir soledad.
Viajar es marcharse de casa,
es vestirse de loco
diciendo todo y nada con una postal,
Es dormir en otra cama,
sentir que el tiempo es corto,
viajar es regresar.
Reisen heißt das Haus zu verlassen,
die Freunde zurückzulassen.
Versuchen zu fliegen,
fliegen um andere Äste kennenzulernen.
Andere Wege zu erwandern,
zu versuchen sich zu verändern.
Reisen heißt den Mut zu haben ein bisschen verrückt zu sein.
Einmal sagen zu können: “Alles ist mir scheißegal.“
Zurückkehren zu wollen und das Wenige zu schätzen.
Noch einmal von vorne anzufangen.
Reisen heißt sich wie ein Poet zu fühlen,
einen Brief zu schreiben.
Jemanden umarmen zu wollen,
sich für Neues zu öffnen.
Die Ruhe zu vermissen,
sich küssen zu lassen.
Reisen heißt eine weltoffene Person zu werden.
Andere Leute kennenzulernen,
neu anzufangen.
Anzufangen die Hände auszustrecken,
von Starken zu lernen.
Einsamkeit zu fühlen.
Reisen heißt das Haus zu verlassen,
ein bisschen verrückt zu sein.
Alles und Nichts auf einer Postkarte zu sagen.
In einem fremden Bett zu schlafen,
zu fühlen, dass die Zeit fliegt.
Reisen heißt zurückzukehren
Am Abend erreichten wir das stilvolle und zentral gelegene Hotel „Casa del Balam“
(Haus des Jaguars)