„Água e vento sáo meio sustende.“ = Wasser und Wind sind schon die halbe Miete.“ (Sprichwort, das eindeutig einer Seefahrernation entspringt)
Und weil es so viele schöne portugiesische Sprichworte gibt, gleich noch eines:
„Durchschneide nie, was du aufknoten kannst!“
Erneut stand uns ein strahlend schöner Portugal-Tag mit einem Ausflug in die westliche Umgebung Lissabons und ans Meer bevor. Ausnahmsweise starteten wir an diesem Tag bereits um 8.30 Uhr, und wir hatten eine neue Busfahrerin: Susanna (die unter der Woche normalerweise Schulkinder fährt; entsprechend angenehm war ihr Fahrstil.)
Durch die dicht besiedelte Region der Vorstädte Lissabons ging es in die etwa 30 km entfernte und bewaldete Region der Serra de Sintra. Diese Region schätzten schon die Könige Portugals im Mittelalter wegen dem frischen Klima der 528 m hohen Serra, weswegen sie in dem gleichnamigen Örtchen ihre Sommerresidenz errichteten. Diesen Palácio Nacional de Sintra durften wir mit unserer Gruppe besichtigen und bestaunten die alten Wandfliesen („Azulejos“) und die vielen Möbel aus dem 16. und 17. Jhdt., mit dem die zahlreichen Räume ausgeschmückt waren. Interessant auch die Decken mit Originalbemalung, z.B. im Schwanen-, Elstern- oder Wappensaal. Besonders beindruckend auch die mittelalterliche Küche, deren ganze Decke in zwei kegelförmige Kamine, bzw. Rauchabzüge mündete. In diesem Moment wurde die Funktion dieser beiden von außen sichtbaren Kegelhüte des Palasts verständlich.
Nach dieser wirklich interessanten Besichtigung konnte man ein wenig durch die beschaulichen Gässchen des hübschen Örtchens Sintra schlendern, oder sich in einem der schattigen Cafés niederlassen.
Nach der Kaffeepause ging es mit dem Bus weiter durch die schöne Landschaft der Serra zum Capo da Roca, dem westlichsten Punkt des europäischen Festlands („Onde a terra acaba e o mar comeca“ – „Wo die Erde endet und das Meer beginnt“).
Alle waren gespannt auf den Blick von diesem 140 m hohen Felsen auf den darunter brandenden Atlantik doch oh Wunder: Hier zogen plötzlich Nebel auf, und das Kap hüllte sich in graue Schleier. So konnten wir nur die zahlreichen Mittagsblumen bewundern, die hier überall wuchsen, und ab und an durch die Nebelfetzen einen kurzen Blick auf die unten liegende Küste werfen.
Wir kürzten unseren Aufenthalt hier ab und fuhren vom Roca hinunter Richtung dem Badeort Cascais. Die Nebel lichteten sich, und wir passierten einen kilometerlangen weißen Dünenstrand bevor wir das ehemalige Fischerörtchen Cascais erreichten. Bekannt wurde es, als die Mode des Seebadens im 18. / 19. Jhdt. aufkam und das portugiesische Königspaar sich gerade hier ins Wasser tragen ließ (natürlich getrennt und sittlich bekleidet! Es gibt deswegen einen „Königsstrand“ und einen „Königinnenstrand“!)
Heute ist Cascais ein mondänes Strandbad, einfach von Lissabon aus mit einer direkten Zugverbindung zu erreichen. Wir konnten bei einem kleinen Bummel die Atmosphäre schnuppern und beim Mittagessen in einem der zahlreichen Lokale per TV die Direktübertragung der Hochzeit von Prinz Harry und Meghan in London verfolgen. So hatten unsere weiblichen Gäste auch das nicht verpasst!
Nach der Mittagspause ging es durch das nicht minder bekannte Estoril, Luxus-Badeort insbesondere in den 1930er- und 1940er – Jahren und Sitz des ehemals königlichen Casinos, das laut Claras Erzählung als Vorlage für Ian Flemings James Bond Roman „Casino Royal“ gedient haben soll, da sich hier während der Zeit des zweiten Weltkriegs die Spione im offiziell neutralen Portugal die Hand (oder sollte man besser sagen: die Kugel?) gegeben hätten.
Nach diesem schönen Ausflug ging es erst einmal zurück zum Hotel in Lissabon zum Frischmachen vor unserem letzten Abend. Wir hatten Clara gebeten, uns einen Tisch in einem guten Lokal nicht weit vom Rossio im Herzen Lissabons zu reservieren.
Mit 4 Taxis fuhren alle 13 Gäste und der Reisebegleiter um kurz nach 18 Uhr ins Zentrum – an diesem Abend aber nicht auf direktem Weg, weil die Hauptverkehrsachse wegen einer Demonstration der Professoren und Studenten gesperrt war, wie wir von den Taxifahrern erfuhren. So ging es im Stopp und Go auf Nebenstraßen, und die Fahrt ins Zentrum wurde zu unserem letzten Abenteuer der Reise. Wir mussten auch an einem andern Platz aussteigen, fanden aber dennoch mit guter Beschreibung und Stadtplan unser Lokal und den schön für uns gedeckten Tisch. Der Restaurant-Tip von Clara war wieder hervorragend, Essen und Bedienung vorzüglich, und so waren alle nach kurzer Zeit bester Stimmung. Zum Abschluss gab das Reisebüro noch jedem einen „ginjinha“ (typischer Kirschlikör), eine „bica“ (Espresso) oder ein Dessert aus, so dass auch unser Abschlussessen eine runde Sache war.
Die Rückfahrt ins Hotel war überhaupt kein Problem. Professoren und Studenten hatte aufgehört zu demonstrieren und waren wohl selbst zwischenzeitlich essen gegangen. So standen am Rossio wie gewohnt die Taxis in der Schlange, so dass rasch eingestiegen und die ganze Gruppe in 10 Minuten wieder im Hotel war.