Spruch des Tages:
„Wenn der Wind der Erneuerung weht, dann bauen die einen Menschen Mauern und die anderen Windmühlen.“ (Konfuzius)
Die ganze Zeit waren wir schon gespannt, wann uns der Monsun-Regen einholen würde. Durch die lange Nord-Süd-Ausdehnung des Landes ist die gewählte Reisezeit dorthin immer ein Kompromiss und so mussten auch wir auf unserer Tour mit Regen rechnen.
Heute war es soweit: Es goss bei der Abfahrt am frühen Morgen wie aus Kübeln. Jedoch stand das Hotelpersonal in typisch vietnamesischer Hilfsbereitschaft bei unserer Abreise Spalier, um uns mit Schirmen vor dem Regen zu schützen.
Am Flughafen hieß es dann erneut Abschied nehmen. Dieses Mal von unserem Reiseleiter Hung.
Er war uns – wie zuvor Genosse Vu – ein sehr freundlicher, allzeit hilfsbereiter Reiseleiter. Er hat uns viel erklärt und besonders Dinge über Land und Leute vor Augen geführt, die nicht im Reiseführer zu finden sind. Auch der Busfahrer und sein Wagen werden uns in Erinnerung bleiben. Es war unser erster Reisebus mit „Lightshow & Mischpult“.
Nach unserer Landung in Ho-Chi-Minh-City, dem früheren Saigon, lernten wir sogleich unseren nächsten Reiseleiter Yu und seinen Busfahrer Tan kennen.
Auch heutzutage wird die Hauptstadt meist nach ihrem alten Namen Saigon genannt. Nach der Eroberung durch die nordvietnamesische Armee und dem Sturz des letzten südvietnamesischen Präsidenten am 30. April 1975 erhielt die Stadt zu Ehren des kommunistischen Befreiungskämpfers Ho-Chi-Minh ihren heutigen Namen. Sie wurde nun Hauptstadt des wiedervereinigten Vietnams. Seit dem 02. Juli 1976 nennt sich das Land „Sozialistische Republik Vietnam“.
Die Stadt am gleichnamigen Fluss ist ein Bevölkerungsmagnet und hat mittlerweile acht Millionen Einwohner. Fast jeder 10. Vietnamese lebt in dieser Mega-City der Kontraste aus glitzernden Hochhäusern, schicken Boutiquen und stetig wachsenden Armenvierteln.
Während unserer Stadtrundfahrt durch das ehemalige „Paris des Ostens“, sahen wir viele sehr schöne Gebäude aus der französischen Kolonialzeit. Den Anfang machte das immer noch im Dienst befindliche ehrwürdige Hauptpostamt. Dort gab es etwas Freizeit und einige nutzten die Gelegenheit um Postkarten nach Hause zu schicken.
Gegenüber der Hauptpost befindet sich die Kathedrale „Notre-Dame“ aus dem Jahr 1877 und wird besonders zu den fünf Sonntagsmessen stark frequentiert, da trotz der Vertreibung während der Kriege und der anschließenden Repressalien durch die Kommunisten in Südvietnam (Flucht der Boat-People/Cap Anamur) noch viele katholische Christen leben.
Zu Fuß erreichten wir über die Flaniermeile „Dong Khai“ die „Nguyen Hue“, die früher auch „Champs Elysees des Ostens“ genannt wurde. Unterwegs sahen wir das Stadttheater, das Rathaus
im französischen Kolonialstil und das Hotel „Rex“. Im Hotel Rex fanden während des Vietnamkrieges jeden Tag um 17:00 Uhr die Pressekonferenzen der US-Armee statt. Von den damaligen Korrespondenten auch spöttisch „Five o`clock Follies“ (Fünf-Uhr-Unfug) genannt, da die Nachrichten meist geschönt wurden.
Am Ende der Promenade gelangten wir zum „Lotus Tower“ (Bitexco Financial) mit 262 Metern Höhe prägt er die Skyline von Saigon und bot uns von der Aussichtsebene auf der 46. Etage einen atemberaubenden Blick über die Stadt.
Im Labyrinth des Bin-Tahnh-Marktes ließen wir uns durch eine unüberschaubare Zahl an Verkaufsständen für Lebensmittel, Souvenirs, Kleidung usw. treiben. Die schönen Markthallen wurden 1880 durch die Franzosen erbaut und wurden vor kurzem erst restauriert.
Nach der wohlverdienten „Pho“ im „Pho 2000“ (Pho for President) fuhren wir zu unserem Hotel, um uns für den Abend zu erholen und frisch zu machen.
Während unseres Abendspaziergangs zu einem Restaurant in der Fußgängerzone „Bui Vien“ wurden wir zum zweiten Mal geduscht, da uns wiederum ein sintflutartiger Regenguss erwischte – diesmal ohne schützende Regenschirme.
Das Restaurant hatte auch eine zweite Etage mit Blick über eine stark frequentierte Kreuzung. Wie Yü uns zuvor erzählte, werden jeden Tag ca. 2000 Mopeds in Saigon neu zugelassen – unvorstellbar!
Von oben dem Verkehrsfluss auf der Kreuzung zuzusehen ist einfach ein amüsantes Schauspiel:
Vollgestopft mit Mopeds, Fahrrädern, Bussen und so manchen kuriosen mobilen Marktständen arrangieren sich die Verkehrsteilnehmer, um irgendwie von der einen Seite der Kreuzung auf die andere zu kommen. Es gibt keine bösen Mienen, alles ist im Fluss und folgt seiner ganz eigenen Organisation.
Während des anschließenden Streifzugs durch das Nachtleben auf der Bui Vien-Straße trauten wir unseren Augen nicht, was für ein ausschweifendes Nachtleben im eigentlich kommunistischen Vietnam möglich ist.
Grüppchenweise ging es zurück zu unserem Hotel, wo wir überwältigt und müde von den vielen Eindrücken des Tages einschliefen.